| Press Cutting |
German version: by Marc Fischer
Bei Galas und Preisverleihungen steht der britische Fotograf Dafydd Jones dort,
wo alle fotografen stehen- am roten Teppich. Seine Bildmontagen aber zeigem,
wie die Stars sich nicht sehen wollen: verunsichert, verwirrt, verletzbar.
Es muss irgendein mitleidiger Holywood- Regisseur oder Studioboss gewensen sein,
der diesen Satz vor vielen Jahren zu einem hubschen, aber untalentierten jungen
Madchen sagte- den Satz, dass es angeblich viele Wege gibt, die zum Ruhm fuhren.
Sicher, ein bisschen was ist dram an dem Satz, vor allem heutzutage: Wer es
als Schauspielerin nicht schaffr, schafft es vielleicht als Sangerin oder als
Versace-Model, und wer fur diese Dinge nicht gut genug ist, sich dafur aber
mit Brad Pitt auf der Sonneliege erwischen lasst und vorher dem richtigen Fotografen
Bescheid gesagt hat, kommt vielleicht auch zum
Ziel. Eigentlich aber fuhrt nur ein Weg zum Ruhm; und dieser Weg ist rot und
meist aus Velours. Es ist der rote Teppich.
Wir kennen die Bilder, wir sehen sie immer wieder, nach jeder Oscar-Party, nach
jeder Grammy- Verleihung, nach jedem Wohltatigkeitsball: Die Bilder von George
Clooney im Abendanzug oder von Jennifer Lopez, wie sie Hand in Hand mit ihrem
neuen Tanzerfreund an dem Spalier der Fotografen und Klatschreporter vorbeispaziert
wie eine Prinzessin auf dem Weg zur Kronung. Die Brillantohrringe der Filmstars
und die Goldketten der Rapper reflektieren die Blitzlichter, doch das, was uns
versichert, dass es sich wirklich um ein Event von Bedeutung mit Gasten von
Bedeutung handelt und dazu noch um sex, glamour und geld, sagt uns die blitrote
Farve unter den Lackschuhen, Loafers, Stilerros: der Teppich eben.
Der Auftrag, den die Fotografen bekommen, die diese Fotos fur die Zeitungen
und Magazine der Welt machen, ist denkbar einfach:, Fahr hin, geh moglichst
nah nan und krieg den Ausschnitt von Courtney Love mit drauf, am besten, wenn
ihr mal wieder der BH verrutcht! So entstehen Fotos von Ikonen; so werden
Stars zu Gottern des Boulevards, zu Idolen. Es gibt einen Mann, dem dieser Auftrag
nicht genug ist, und dieser Mann ist der London Society-Fotograp Dafydd Jones,
45. Seit Jahren schon fotografiert Jones fur Gesellschaftsund Promi-Magazine
wie Tatler, Vanity Fair und Talk haufenweise
Feste, Galas und Balle in Europa und Amerika. Jones hat schone Fotos gemacht,
hochwertige Schnappschusse von betrunkenen Royals beim Pferderennen in Ascot,
von den PoolPartys der Oxford-Studenten, von Kate Moss, Johnny Depp und Arnold
Schwarzenegger, doch irgendwann beganner sich zu langweilen mit den immer gleichen
Gesichtern, die immer gleich abgebildet wurden, entweder mit Sektglas in der
Hand oder ohne. Irfendetwas fehlte bei all den Schnappschussen, sagt Jones.
Was fehlte, war die Wagrheir.
Es was eger ein Zufall, wie Jones ide Star-Fotografie erneuerte: Bei einer Couture-Show
1998 in Paris machte er im Umkleideraum ein paar Bilder des Models Amber Valetta,
und weil Valetta sich beim Anpassen daurend in alle Richtungen drehte, folgte
Jones ihr mit seiner Kamera im 360-Grad- Winker- so lange, bis ihm fast schwindlig
wurde. Als Jones beim Entwickeln die Bilder nebeneinander legte, was das, entscheidende
Amber-Valetta-Foto, bach dem die Bildredakteure immer suchen, nicht dabei;
Stattdessen hatte er einen Bewegungsablauf eingefangen, einen kleinen Film also,
den er am Computer zu einem Gesamtbild montierte, so dass am Ende vier Amber
Valettas auf einem Foto zu sehen waren.
In der Welt der Galaveranstaltungem und der sagt die Sequenz mehr aus als das
einzelne Foto, denn dies zeigt nur die einstudierte Pose, nicht aber das Leben,
das dazwischen liegt- nach diesem Prinzip fotografiert Jones seitdem, und mit
Vorliebe lasst er seine Star-Sequenzen auf dem roten Teppich spielen, auf dem
Laufsteg der modernen Aristokratie, wie er sagt. So kommt es, dass
wir auf den Fotos, die Jones bei den Golden Globe Awards 2000 gemacht hat, nicht
nur eine grinsende und stark wirkende Courtney Love sehen, wie sie so gern verkauft
wird, sondern eine sechsfache Courtney, deren Gesichtsausdruck und Korpersprache
sich von Schritt zu Schritt andern und sogar unsicher werden, weil auch Courtney
Love mal die Kontrolle uber ihr das Blitzlicht eines frenden Fotografen fast
das Hirn ausleuchtet und sie im nachsten Moment nicht mehr zu wissen scheint
in welche Richtung sie nun gehen soll.
Durch die Vervielfachung zeigt Jones unds die Stars-neben Courtney Love auch
Kate Moss, Prince Charles oder Stella McCartney- nicht mehr als ungreifbare,
unverletzliche Ikonen, sondern als Menschen, die etwas unsicher und klein wirken
in dem Wahnsinn, der um sie herum veranstaltet wird.
Denn neben dem Star an sich portratiert Jones auch die Welt, die diesen Star
umgibt- die Welt des Marketing und der streng kontrollierten Zeitplane, die
Welt der bewaffneten Bodyguards und Ordner. Man hort beim Betrachten der Bilder
fast, wie die Fotographen und Journalisten
Courtney, Courtney! schreien, um auf sich aufmerksam zu machen,
oder, Over here, Angelina, over here! rufen, weil sie hoffen, dass
Angelina Jovie vielleicht ein Messer herausholt oder so etwas. Und indem Jones
mehrere Aufritte ubereinander schneidet, bekommen wir sogar einem Einblick in
die Hierarchien der Stars: Winona Ryder, even noch hofiert, wird fast vom Teppich
geschoben, als Demi Moore auftritt, und auch fur die interessiert sich kein
Mensch mehr, als Jolie erscheint.
Dass das Events an sich, die Show und ihre Motorik, immer wichtiger ist
als der einzelne Star, wird nirgends so deutlich wie in solchen Momente,
Sagt Jones.
So sehr wie seine,,Red Carpet- Serie trotz ihrer Schonheit das Star-Geschaft
demaskiert, musste Dafydd Jones eigentlich Probleme haben, auch weigentlich
Probleme haben, auch weiterhin Akkreditierungen zu bekommen, doch bislang hat
sich kaum jemand uber ihn beschwert, nur Hugh Grant war mal sauerm, weil Jones
ihn betrunken auf einer party in Oxford fotografiert hatte und die Bilder im
Zuge der Divine-Browne-Geschichte dabb in der britischen Boulevardpresse auftauchten.
Dass Jones nicht auffallt, mag an seiner stillen Art liegen und daran, dass
er die Prominenten nie nervt, well er das Gegenteil eines Paparazzo ist- anstelle
des Privaten interessiert ihn nur das Verhalten des Stars bei offentlichen Auftritten.
Oft WeiB Jones, der so gut wie nie ins Kino geht, nicht mal, wen er da eigentlich
fotografiert; doch Spezialwissen sei ja auch gar nicht notig:,,Wer uber den
roten Teppicg lauft und beim Vornamen angeschrien wird, der ist beruhmt, ob
er num Schauspieler ist oder ein Playboy-Bunny oder sonst was.
Manchmal, erfuht Jones, macht es sogar Eindruck, wenn man keine Ahnung hat:
Vor einem Jahr fotografierte er, wieder um sich selbst rotierend, auf einer
Party in New York mal ein hubsches Madchen, das in der Ecke herumstand. Entchuldigen
Sie bitte- wer sind Sie denn eigentlich?, Fragte Jones das Madchen spater.
Es dauerte eine Sekunde, bis sie verstand, dass die Frage kein Witz war, aber
Gwyneth Paltrow war sehr hoflich, als sie ihren Namen buchstabierte.